«Positive Wutkraft sagt: Ich bleibe. Sie sagt nicht: Ich haue drauf, ich walze dich platt, ich renne weg. Denn Abgrenzen heisst Angrenzen. Positive Wutkraft macht sichtbar, angreifbar und berührbar.»
Atma

Ich begleite Menschen in Übergängen, in Umbruchsphasen, beim Wunsch nach (innerer) Autonomie, (innerer) Freiheit, Lebendigkeit, gesunder Abgrenzung und damit einhergehenden Themen von Bindungs-/Beziehungsmustern.

Zentral bei all diesen Themen ist der Zugang zur konstruktiven Kraft der Wut. Für die meisten klingt das erstmals eigenartig. Oft haben wir Wut als destruktives und bedrohliches Gefühl kennengelernt, das zerstören kann. Wir meiden Wut, da wir im Kern fürchten, sie könnte zu Kontaktabbruch, Verlassenwerden, Ignoriertwerden oder verbalem/physischen Angriff führen. In Wahrheit schaffen wir mit konstruktiver Wut (entgegen den meisten Vorstellungen) Nähe in Beziehungen.

Wichtiger Teil meiner Arbeit ist die konstruktive Kraft der Wut zu entdecken, mit welcher wir unser Leben steuern und bestimmen können. Fehlt dieser Zugang, ist dies oft auch der Ursprung von Leiden, Symptomen und Bindungs- und Beziehungsschwierigkeiten.

So sehe ich Wut als Kraft. Wut als Kraft brauchen wir für Veränderungen, für Entscheidungen, für unsere Entwicklung, um gesunde Grenzen setzen und unseren eigenen Raum halten zu können. Sie führt zu einem Gefühl der Präsenz, Selbstkontakt und Klarheit. Die Wiener Körpertherapeutin Atma bringt es wunderbar auf den Punkt:

„Positive Wutkraft sagt: Ich bleibe. Sie sagt nicht: Ich haue drauf, ich walze dich platt, ich renne weg. Denn Abgrenzen heisst Angrenzen. Positive Wutkraft macht sichtbar, angreifbar und berührbar.“

Wenn wir sie jedoch nicht richtig integriert haben oder keinen guten Zugang haben, kann sie zerstörerisch wirken: Wut kann destruktiv gegen sich selbst gerichtet werden in Form von Selbstabwertung, Selbstkritik, Selbsthass («einagieren») oder destruktiv gegen andere gerichtet werden und richten Schaden in uns und in anderen an («ausagieren»). In beiden Fällen richtet sie Schaden an.

Beispiel für einagierte Wut:

«Wenn ich erfolgreicher/attraktiver/reicher/besser/etc. wäre, würde ich geliebt werden/wäre mein Leben gut/etc..»

Solche typische Gedankenkonstrukte für einagierte Wut beginnen mit einer Kritik gegen sich selbst. Wenn dieser «Mangel» aufgehoben wäre, wäre das Leben in Ordnung. Diese Form der Selbstabwertung (heutzutage oft mit innerem Kritiker betitelt) ist eine Form unterdrückter Wut und ein Mechanismus unserer Psyche, der sich entwickelt, wenn die Wut von wichtigen Bezugspersonen nicht (aus-)gehalten/ ignoriert/ abgewertet wurde. Die Wut, die ursprünglich nach aussen gerichtet war – etwa als Protest, Abgrenzung oder Ausdruck eines eigenen Willens – kann sich dadurch gegen uns selbst richten. Statt «Das will ich nicht.» oder «So möchte ich nicht behandelt werden.» entsteht dann «Mit mir stimmt etwas nicht.»

Unterdrückte Wut kann sich aber auch auf andere Arten zeigen, die nicht auf den ersten Blick als solche erkennbar ist. Bespiele hierfür sind:

«Ich weiss nicht, was ich eigentlich will.»

«Ich sage Ja, obwohl ich Nein fühle.»

«Ich passe mich an und verliere mich dabei.»

«Ich möchte lebendiger sein, ohne Angst vor der Reaktion anderer zu haben.»

«Wenn ich mein Leben in vollen Zügen lebe, werde ich ignoriert oder allein gelassen.»

Wut ist die Kraft, die mich mit meinem eigenen Willen, meinen Grenzen und meiner Lebendigkeit verbindet. Meine Arbeit dient unter anderem dazu, diese Kraft wieder ins eigene Leben zu integrieren, sodass ein erfülltes, der eigenen Persönlichkeit entsprechendes, stimmiges Leben möglich wird.